| Antragsteller*in: | Landesvorstand (dort beschlossen am: 17.02.2026) |
|---|---|
| Status: | Abgelehnt |
V1: GRÜNE JUGEND Hamburg sagt "Ja" zu Olympia
Antragstext
Die GRÜNE JUGEND Hamburg setzt sich für eine sozial gerechte, ökologische,
demokratische und langfristig nachhaltige Stadtentwicklung ein. Vor diesem
Hintergrund befassen wir uns intensiv mit der Frage, ob Hamburg sich erneut um
Olympische und Paralympischen Spiele bewerben sollte. Die Erfahrungen der
Bewerbung für 2024 wirken in der Stadtgesellschaft weiterhin nach und haben
deutlich gemacht, wie zentral Transparenz, Nachhaltigkeit und
Bürger*innenbeteiligung für die Akzeptanz eines solchen Vorhabens sind. Zugleich
hat sich die gesellschaftliche und politische Lage seitdem weiterentwickelt. Die
wachsende Bedeutung von Klimaschutz, sozialer Gerechtigkeit und moderner
Infrastruktur macht es notwendig, die mögliche Olympia-Bewerbung neu zu bewerten
und zukunftsorientiert zu denken.
Wir sehen in einer Hamburger Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele
eine Chance, ein neues, progressives Modell von Olympia zu etablieren. Ein
solches Modell muss sich konsequent an ökologischer Nachhaltigkeit, sozialer
Verantwortung, Demokratisierung, Inklusion und öffentlicher Teilhabe
orientieren. Olympia sollte nicht als reines Großevent verstanden werden,
sondern als langfristiges Stadtentwicklungsprojekt, das allen Menschen in
Hamburg zugutekommt und Impulse für eine moderne, klimafreundliche Metropole
setzt.
Ein wichtiger Aspekt sind die Strukturen des Internationalen Olympischen
Komitees IOC. Das IOC steht oft in der Kritik, unter anderem in Bezug auf
Transparenz, Kostenverteilung und Partizipation von Städten. Wir nehmen diese
Kritik ernst und fordern deshalb einen klaren, selbstbewussten Umgang Hamburgs
mit dem IOC. Eine Bewerbung muss darauf abzielen, faire, nachvollziehbare und
demokratisch legitimierte Rahmenbedingungen zu schaffen. Hamburg darf sich nicht
in ein Abhängigkeitsverhältnis begeben und keine unfaire Bedingung akzeptieren.
Die Stadt muss klare Grenzen setzen. Keine Blanko-Garantien. Keine
intransparenten Vertragswerke. Keine Übertragung demokratischer
Entscheidungsrechte an ein privatwirtschaftlich organisiertes Komitee.
Stattdessen braucht es Transparenz und eine politische Haltung, die das
Gemeinwohl über die Interessen des IOC stellt.
Besonders wichtig ist für uns die ökologische Dimension. Ein zeitgemäßes Olympia
muss sich klar an den Zielen des Klimaschutzes, der Kreislaufwirtschaft und der
Ressourcenschonung orientieren. Der Klimaentscheid ist gesetzliche Grundlage
dafür, dass Hamburg bis 2040 Klimaneutral wird. Olympische und Paralympische
Spiele müssen von daher auch Klimaneutral stattfinden! Dies bedeutet für die
Stadt, neue Sportstätten dürfen nur entstehen, wenn sie langfristig genutzt
werden können. Wo immer möglich, sollen bestehende Infrastrukturen modernisiert
und aufgewertet werden. Der Schutz von Grünflächen, städtischen Ökosystemen und
naturnahen Räumen hat einen hohen Stellenwert. Hamburg kann zeigen, dass große
internationale Veranstaltungen mit konsequent nachhaltigen Standards vereinbar
sind.
Ebenso zentral ist die soziale Verantwortung. Wir setzen uns dafür ein, dass
Olympia zu einer Verbesserung der sozialen Infrastruktur, der Wohnraumsituation
und der Arbeitsbedingungen beiträgt. Baumaßnahmen, die im Rahmen einer Olympia-
Ausrichtung entstehen, müssen langfristig der Stadtgesellschaft dienen und
keinen Verdrängungsdruck erhöhen. Wohnraum, der im Zuge der Spiele entsteht,
muss auch danach bezahlbar bleiben. Beschäftigte im Bau- und
Veranstaltungsbereich müssen zu fairen Bedingungen arbeiten können. Olympia
sollte ein Motor für sozialen Fortschritt sein, nicht ein Hemmnis.
Die demokratische Legitimation ist ein weiteres zentrales Anliegen. Eine
Bewerbung darf nicht an den Menschen der Stadt vorbeigehen. Wir fordern deshalb
umfassende Beteiligungsprozesse, transparente Entscheidungswege und regelmäßig
veröffentlichte Informationen zu Finanzierung, Planung und Verträgen. Die
Hamburger*innen müssen nachvollziehen können, was mit einer Bewerbung verbunden
ist. Besonders die Perspektiven von Jugendlichen, die an der Zukunft der Stadt
maßgeblich beteiligt sind, müssen frühzeitig eingebunden werden.
Inklusion ist für uns ein grundlegendes Prinzip. Olympische und Paralympische
Spiele müssen von Anfang an gemeinsam gedacht und geplant werden. Dazu gehören
barrierefreie Sportstätten, eine barrierearme Mobilität in der gesamten Stadt,
inklusive Kommunikation und die kontinuierliche Einbindung von Verbänden der
Behindertenbewegung. Hamburg kann ein Beispiel dafür werden, wie moderne
Großveranstaltungen zu umfassender Teilhabe führen. Zudem muss der Schutz und
die teilnahmechancen von TINA* Personen gewahrt werden.
Auch im Bereich der Sportförderung birgt Olympia großes Potenzial. Durch
gezielte Investitionen kann die Infrastruktur des Breiten-, Jugend- und
Vereinssports nachhaltig verbessert werden. Sport muss für alle zugänglich sein
und darf nicht nur den Spitzensport stärken. Besonders marginalisierte Gruppen
müssen mehr Zugang zu Sportangeboten erhalten. Olympia kann dazu beitragen,
vielfältige und inklusive Sportstrukturen zu fördern.
Neben den sozialen und ökologischen Aspekten hat Olympia auch eine kulturelle
Bedeutung. Die Spiele bieten Chancen für internationalen Austausch und
Begegnung, für interkulturelles Verständnis und für die Präsentation Hamburgs
als weltoffene, tolerante und vielfältige Stadt. Diese Chancen müssen bewusst
genutzt und politisch gestaltet werden.
Auf Grundlage all dieser Überlegungen kommt die GRÜNE JUGEND Hamburg zu einem
klaren Fazit. Wir sprechen uns grundsätzlich positiv, aber weiterhin kritisch
aufmerksam und verantwortungsbewusst für eine Bewerbung Hamburgs um Olympische
und Paralympische Spiele aus. Unsere Unterstützung steht unter der
Voraussetzung, dass die genannten ökologischen, sozialen, demokratischen und
inklusiven Kriterien erfüllt werden. Wir wollen ein Olympia, das der gesamten
Stadt dient und ein neues, zukunftsfähiges Modell internationaler
Großveranstaltungen repräsentiert. Hamburg kann diesen Weg gehen, wenn es mutig,
transparent und nachhaltig handelt.
Begründung
erfolgt mündlich
