| Status: | Beschluss |
|---|---|
| Beschluss durch: | Landesvorstand |
GRÜNE JUGEND Hamburg sagt "Nein" zu Olympia
Beschlusstext
Die GRÜNE JUGEND Hamburg setzt sich für eine sozial gerechte, ökologisch
nachhaltige und demokratische Stadtentwicklung ein. Vor diesem Hintergrund
lehnen wir eine erneute Bewerbung Hamburgs für Olympische und Paralympische
Spiele ab. Unsere Entscheidung beruht auf der Überzeugung, dass die
strukturellen Voraussetzungen eines solchen Großereignisses in fundamentalem
Widerspruch zu den Zielen einer nachhaltigen, sozialen und demokratischen Stadt
stehen. Die Erfahrungen anderer Ausrichterstädte zeigen deutlich, dass Olympia
selten die versprochenen positiven Effekte bringt, während die Risiken, Kosten
und ökologischen Belastungen regelmäßig von der Bevölkerung getragen werden
müssen.
Ein zentrales Problem besteht in den Strukturen des Internationalen Olympischen
Komitees IOC. Dieses agiert vielfach intransparent, unzureichend demokratisch
legitimiert und stark profitorientiert. Verträge zwischen Städten und dem IOC
beinhalten regelmäßig weitreichende Garantien zugunsten des IOC, während
Kostenrisiken bei den Kommunen verbleiben. Diese Asymmetrie widerspricht unserer
Vorstellung von gemeinschaftlich verantworteter Stadtpolitik und birgt
erhebliche finanzielle und politische Gefahren. Hamburg darf sich keiner
Institution unterordnen, deren Rahmenbedingungen demokratische
Entscheidungsfreiheit einschränken und die Gemeinwohlinteressen gefährden.
Auch aus ökologischer Perspektive sprechen erhebliche Gründe gegen eine
Bewerbung. Olympia geht regelmäßig mit massivem Ressourcenverbrauch, großen
Bauvorhaben und erheblichen Eingriffen in bestehende städtische Räume einher.
Selbst bei ambitionierten Nachhaltigkeitskonzepten kann ein solches Mega-Event
nicht klimaneutral umgesetzt werden. Die notwendige Herstellung von
Infrastruktur, der internationale Reiseverkehr sowie temporäre Bauten erzeugen
enorme Emissionen und Abfallmengen. Angesichts der sich zuspitzenden Klimakrise
darf Hamburg keine Projekte unterstützen, die Umwelt- und Klimaschutz nur
rhetorisch berücksichtigen, aber faktisch hohe ökologische Kosten verursachen.
Besonders bedenklich sind die sozialen Auswirkungen. Zahlreiche Fallbeispiele
aus der Vergangenheit zeigen, dass Olympia zu Gentrifizierung, Verdrängung und
steigenden Mieten führen kann. Bauprojekte, die kurzfristig auf das Event
zugeschnitten sind, tragen häufig nicht zur langfristigen Verbesserung der
Wohnraumsituation bei. Stattdessen droht eine weitere Verschärfung der ohnehin
angespannten Lage auf dem Hamburger Wohnungsmarkt. Zudem profitieren in vielen
Fällen nicht die Menschen in prekären Lebenslagen, sondern große Unternehmen und
Immobilieninvestor*innen. Olympia darf kein Türöffner für spekulative
Stadtentwicklung und unsoziale Bauvorhaben werden.
Auch hinsichtlich der demokratischen Legitimation bestehen erhebliche Bedenken.
Mega-Events wie Olympia neigen dazu, Entscheidungsprozesse zu zentralisieren und
öffentliche Debatten zu verkürzen. Oft wird die Bevölkerung nur symbolisch
beteiligt, während die eigentlichen Entscheidungen in Hinterzimmern oder enger
Zusammenarbeit mit wirtschaftlichen Interessengruppen getroffen werden. Eine
wirklich demokratische Stadtentwicklung braucht Zeit, Transparenz, kritische
Auseinandersetzung und echte Mitbestimmung. Olympia setzt die Stadt dagegen
unter politischen und zeitlichen Druck, der offenen Diskussionen im Weg steht.
Darüber hinaus drohen kurzfristige finanzielle Belastungen, die langfristig
Haushaltsmittel für Bildung, soziale Infrastruktur, den öffentlichen Nahverkehr
und Klimaschutz binden. Die Erfahrung vieler Städte zeigt, dass die
tatsächlichen Kosten Olympischer Spiele regelmäßig deutlich über den
ursprünglichen Planungen liegen. Selbst erhöhte staatliche Zuschüsse und
Sponsorengelder können diese Risiken meist nicht ausreichend abfedern. Wir
wollen Haushaltsmittel lieber in Projekte investieren, die dauerhaft und
zuverlässig den Menschen in dieser Stadt zugutekommen.
Auch die Versprechen hinsichtlich Sportförderung, internationaler Begegnung und
Stadtentwicklung überzeugen uns nicht. Diese Ziele können mit deutlich weniger
Risiko, mit mehr Planungssicherheit und ohne Einfluss eines globalen
Sportverbundes erreicht werden. Hamburg braucht starke Sportstätten,
zivilgesellschaftliche Austauschprogramme und nachhaltige Infrastruktur, aber
dafür braucht Hamburg kein Olympia.
Auf Grundlage all dieser Überlegungen kommt die GRÜNE JUGEND Hamburg zu einem
klaren Schluss. Wir lehnen eine Bewerbung Hamburgs für Olympische und
Paralympische Spiele ab. Die ökologischen, sozialen und demokratischen Risiken
sind zu hoch, die Abhängigkeit vom IOC zu problematisch und die langfristigen
Belastungen für Stadt und Bevölkerung nicht verantwortbar. Wir setzen uns dafür
ein, dass Hamburg seinen Weg zu einer gerechten, lebenswerten und
klimaresilienten Stadt ohne Olympia geht und stattdessen in nachhaltige Projekte
investiert, die allen Menschen zugutekommen. Diese Position werden wir
hinsichtlich des Referendums öffentlich vertreten und uns in einem Bündnis gegen
Olympia in Hamburg engagieren.
Begründung
erfolgt mündlich
