| Antragsteller*in: | Malte-André Schneider (LV Grüne Jugend Hamburg) |
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| Status: | Eingereicht (ungeprüft) |
Veteranen Tag, Nein Danke!
Antragstext
Die Grüne Jugend Hamburg lehnt grundsätzlich die jährliche Begehung des
Nationalen Veteranentags am 15. Juni ab und ruft zu den Gegenprotesten am 15.
Juni 2026 in Hamburg auf.
Begründung
„Es ist doch ein Wahnsinn: Wenn ich einen Menschen umbringe, bin ich ein Mörder, und wenn mir das befohlen wird, bin ich ein Held und bekomme einen Orden. Sich dem zu verweigern, sich niemals mehr von denen da oben dazu missbrauchen zu lassen, Menschen anderer Völker und sich selber umzubringen – das ist auch heute eine Hoffnung für das Leben und für den Frieden.“ (Der Wehrmachtsdeserteur Ludwid Baumann zum internationalen Tag der Kriegsdienstverweigerer am 15. Mai 2001, Gedenkstätte Buchenwald)
Der Nationale Veteranentag wurde am 15. Juni 2025 das erste Mal als bundesweiter Gedenktag begangen. Das Datum wurde gewählt, weil die damalige Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 15. Juni 2019 auf dem Fliegerhorst in Faßberg erstmals das Veteranenabzeichen aushändigte. Laut der offiziellen Website hat der Tag folgende Funktion:
„Er würdigt die Leistungen aller ehemaligen und aktiven Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten und stärkt das Band zwischen ihnen und der Gesellschaft.“
Dieser Gedenktag trägt maßgeblich zur fortschreitenden Militarisierung der deutschen Gesellschaft bei. Ziel dieser Maßnahme ist es nicht nur, neue Soldatinnen und Soldaten zu gewinnen, sondern die gesamte Bevölkerung im Sinne einer „Kriegstüchtigkeit“ zu erziehen und zu mobilisieren. Selbst die offizielle Seite räumt ein:
„Familie, Freundinnen und Freunde tragen oft im Hintergrund dazu bei, dass Dienst und Einsatz überhaupt erst möglich sind.“
Hinzu kommt, dass der Veteranentag Soldat*innen als Held*innen feiert. Damit trägt er zu einer gefährlichen Renaissance einer „Blut und Ehre“-Mentalität bei – also zu dem reaktionären Verständnis, dass es eine Pflicht oder Ehre sei, für sein Heimatland zu sterben oder sich aufzuopfern. Kriege sind jedoch unfassbar grausam und zerstören den menschlichen Verstand und Existenz in Gänze. Diese Art der Ausbeutung bedeutet in der Realität entweder den Tod oder massive körperliche und psychische Verletzungen. Viele Überlebende leiden unter schweren körperlichen Einschränkungen oder einer posttraumatischen Belastungsstörung. Wie verheerend die langfristigen psychischen Folgen des Militärdienstes sind, zeigen auch internationale wissenschaftliche Untersuchungen. So belegt eine Studie im Fachmagazin JAMA Network Open, dass das Suizidrisiko unter Veteranen im Vergleich zur nicht-militärischen Bevölkerung signifikant erhöht ist:
„[...] veteran risk as elevated relative to nonveterans [...]“
Es geht bei diesem Tag im Kern darum das Leid des Krieges hinter einem Heldenmythos zu verklären. Wofür sollen wir kriegsfähig werden? Die offizielle Antwort lautet, um die Interessen Deutschlands zu verteidigen. Konkreter betrachtet handelt es sich hierbei jedoch um die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen des Nationalstaates und seiner Unternehmen – Interessen, die im fundamentalen Widerspruch zu den Bedürfnissen der breiten Masse der Bevölkerung stehen.
Während fast alle internationalen Übereinkünfte des Völkerrechts und der Menschenrechte dem Frieden und der Abrüstung verpflichtet sind, widerspricht die Zelebrierung der Kombattant*innen dem völlig und stärkt die Legitimation von Kriegen. Die Bevölkerung profitiert nicht davon Kriege zu führen, Menschen zu töten oder andere Länder zu zerstören. Der Veteranentag dient somit als Instrument, um einseitige Erzählungen zu stärken, Feindbilder zu schüren und das Sterben für den Staat gesellschaftlich noch anschlussfähiger zu machen.
Die Geschichte der internationalen Friedensbewegung und besonders der Kriegsdienstverweigerer*innen bildet dazu einen fundamentalen Gegenentwurf. Kriege sind nur führbar, wenn Menschen sich dafür missbrauchen lassen. Aufklärung und internationale Solidarität im Kampf gegen die gemeinsame Unterdrückung sind der fundamentale Gegenentwurf zu Krieg und Zerstörung.
„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“ (Carl August Sandberg)
