| Status: | Beschluss |
|---|---|
| Beschluss durch: | Hauke Damerow |
| Antragshistorie: | Version 2 |
Sofortige Wiederaufnahme der „Disability Studies“ am ZeDiS in Hamburg und Sicherung einer ausreichenden langfristigen Finanzierung dieses wichtigen Studienganges
Beschlusstext
Anfang des Jahres wurde die Forschungsstelle für Disability Studies (ZeDiSplus)
geschlossen. Alle Beschäftigten wurden entlassen. Zusammen mit der Disability
Studies Stelle in Köln schließen zwei von nur 3 Forschungsstellen in
Deutschland, die zu diesem wichtigen Thema forschen.
Dies ist ein fatales Signal für Inklusion und gesellschaftlicher Teilhabe aller
Menschen.
Disability Studies ist einer der wenigen Forschungsstellen in Deutschland, in
dem behinderte und nicht-behinderte Menschen zusammen am Abbau von Barrieren und
der Verbesserung von Inklusion forschen und arbeiten. Behinderung wird eher als
ein gesellschaftliches Problem betrachtet; von einer Gesellschaft, die unnötige
Barrieren aufgebaut hat und so bestimmte Menschen in ihrer gesellschaftlichen
Teilhabe einschränkt, anstatt Behinderung ausschließlich zu individualisieren,
wie es sonst oft gemacht wird.
Die Schließung widerspricht dabei dem Auftrag der UN-Behindertenrechtskonvention
(UN-BRK), die Partizipation, Forschung und Expertise von Menschen mit
Behinderung ausdrücklich einfordert. Disability Studies ist kein verzichtbares
Nischenfach, sondern ein Grundrecht, das Deutschland mit der Ratifizierung der
UN-BRK verbindlich anerkannt hat.Außerdem gehört die Art und Weise, wie an
Hamburger Hochschulen gespart wird, deutlich kritisiert. Es ist nicht
hinnehmbar, dass in Zeiten notwendiger Haushaltskonsolidierung nicht
solidarisch, also breit über alle Fakultäten, Institute und Disziplinen
verteilt, nach Einsparpotenzialen gesucht wird. Stattdessen werden ganze
Forschungsbereiche wie Disability Studies einfach gestrichen, während andere
Bereiche offenbar kaum Kürzungen hinnehmen müssen. Das ist keine faire
Sparpolitik, sondern eine politische Entscheidung darüber, welches Wissen als
verzichtbar gilt.
Die GRÜNE JUGEND Hamburg fordert die schnelle Wiedereröffnung des ZeDiSplus
sowie dessen sichere und langfristige Finanzierung als eigenständige Forschungs-
und Lehreinrichtung. Eine bloße Eingliederung in bestehende Strukturen der HAW
reicht nicht aus! Die eigenständige Forschungs- und Lehrlinie muss erhalten
bleiben, Mitarbeitende müssen übernommen und nicht lediglich eingeladen werden,
sich neu zu bewerben. Darüber hinaus fordert die GRÜNE JUGEND Hamburg, dass
Forschende und Lehrende mit Behinderung in leitender Funktion eingebunden
werden. Wir werden die Landesregierung daran messen, ob und wie diese Zusagen
umgesetzt werden, und den Prozess öffentlich begleiten. Die GRÜNE JUGEND Hamburg
unterstützt offiziell den offenen Brief und die Petition der ZeDiSplus-
Beschäftigten und unterstützt diese in ihrer Bündnisarbeit. Allgemein setzten
wir uns für volle Inklusion ein.
In einer Zeit, in der der Rechtsruck auch immer stärker behinderte Menschen
trifftund Inklusion als politisches Ziel unter Druck gerät, steht die GRÜNE
JUGEND Hamburg für volle Inklusion ein. Wir solidarisieren uns mit allen
behinderten Menschen, die Ausgrenzung, Diskriminierung oder Hass erfahren und
mit denjenigen, die für eine inklusive Gesellschaft kämpfen.
Begründung
Diese Entscheidung fällt in eine Zeit, in der Behindertenfeindlichkeit leider wieder in der Mitte der Gesellschaft ankommt und die rechtsextreme AfD immer offener gegen behinderte Menschen hetzt. Besonders schockierend sind aktuelle Aussagen der CDU-Politikerin Kristina Schröder, die meint „persönliche Assistenz für behinderte Menschen könne sich die Gesellschaft nicht mehr leisten“. Wir sagen: Gesellschaftliche Teilhabe ist ein Menschenrecht, daran darf niemals gespart werden!
